Mobile Special Nr. 1: Die Geschichte der Handygames
Als vor 10 Jahren Nokia sein 5110 auf den Markt brachte, ahnte noch kaum jemand, dass damit eine Lawine losgetreten war. Denn das 5110 war das erste populäre Mobiltelefon, auf dem es möglich war zu spielen. “Snake” wurde weltweit bekannt – und weltweit gespielt.
Als vor 10 Jahren Nokia sein 5110 auf den Markt brachte, ahnte noch kaum jemand, dass damit eine Lawine losgetreten war. Denn das 5110 war das erste populäre Mobiltelefon, auf dem es möglich war zu spielen. "Snake" wurde weltweit bekannt – und weltweit gespielt. Danach folgte lange wenig gutes. Zehn Jahre sind seitdem vergangen – und das Genre "Handyspiel" hatte Zeit, erwachsen zu werden.

Eine Hand voll seriöser Hersteller bieten mittlerweile Spiele an, die es sich wirklich lohnt am Handy zu haben, weil sie Spaß machen. Um das übergroße Angebot besser durchschauen zu können, startet auf elhabib.at eine Special-Feature-Reihe über diesen zukunftsträchtigen Gaming Sektor. Wo bekomme ich gute Spiele her? Wie sieht das mit versteckten Kosten aus? Welche Handys sind zum Spielen besonders gut geeignet? Diesen und anderen Fragen sind wir für euch nachgegangen, und werden euch Woche für Woche mit brauchbaren Antworten versorgen. Hier Teil Eins unseres Mobile Specials: "Wie hat sich das Ganze in all den Jahren überhaupt entwickelt?".
Die Geschichte der Handygames ist am interessantesten, wenn man sie als Teil der Geschichte der Videospiele generell versteht, daher zunächst ein paar historische Stationen in der Geschichte des Gaming allgemein – quasi vom "Atari" bis zum "Nokia":
Von den Spielhallen in die Wohnzimmer – von den Wohnzimmern in die Hosentaschen
1958 wurde "Tennis for Two" vorgestellt, das erste Videospiel der Geschichte. Gespielt wurde es auf einem einfachen Ozilloskop, wie es z.B. in Krankenhäusern oder Schiffsbrücken verwendet wird. Als "Joystick" dienten simpelste Drehräder, mit denen ein Paddel vor und zurück bewegt werden konnte. Die Idee entzündete einen regelrechten Brand von auflodernden Spielhallen ("Arcades") und Spielautomaten für die Öffentlichkeit. Pac-Man ist das vielleicht bekannteste Spiel aus dieser goldenen Arcade-Ära.
Ebenfalls bekannt ist "Pong", dass als erstes von den Spielautomaten bekanntes Spiel in Form einer leistbaren Spielkonsole auch für daheim auf den Markt kam. Es baut auf dem Prinzip von "Tennis for Two" auf und brachte Atari in den 70ern eine Menge Geld ein, Firmen wie Magnavox oder Sega sprangen auf den Zug auf und entwickelten ihre eigenen Konsolen – der Markt für Videospiele im heutigen Sinne war geboren.

Arbeitsgeräte lernen spielen
Durch die Etablierung der Heim-PCs und Erscheinen von Spieltiteln für diese, hatten bald auch Menschen die bisher nichts mit Videospielen am Hut hatten nun ein Gerät daheim, auf dem sich zwar in erster Linie gut arbeiten, aber andererseits auch hervorragend spielen ließ. Die vorinstallierten Spiele "Solitär" oder "Mineseeper" erfreuen sich heute großer Beliebtheit unter allen PC-Usern zwischen 1 und 100 – kaum einer spielt keine Computerspiele mehr. Das Spielgeschehen hat sich von den Spielhallen in unsere Wohnzimmer verlagert – und seit Nintendos legänderem Gameboy oder dem aktuellen Nachfolger DS ist das Gamen unterwegs schon lange keine ungewöhnlich Sache mehr – und nun kann ausnahmslos jeder unterwegs spielen – nämlich auf der "Konsole Mobiltelefon".
Während die ersten Handyspiele noch vom Erzeuger selbst fix vorinstalliert waren, brachte das Aufkommen von Java am Handy mit den dazugehörigen Development Kits erneuten Schwung in die Sache: Jeder Programmierer konnte nun selbst seine eigenen Handyspiele schreiben und verbreiten. Die unmittelbare Folge war naturgemäß eine Überschwemmung des Marktes mit einer großen Zahl von schlechten Spielen. Damit einher ging leider eine gewisse Schädigung des Images von Handyspielen, dass sich erst in den letzten zwei Jahren (mit dem Wegbröckeln der "kleinen Entwickler" und steigender Professionalität hinter den releasten Games) wieder einigermaßen erholen konnte. Ubisoft-Schwester Gameloft konnte sich Ende 2007 engültig als Marktführer etablieren. Mit Games auf höchstem entwicklerischem Niveau übt der französischer Spielehersteller damit seit Jahren einen erheblichen Qualitätsdruck auf seine Konkurrenten aus, die nun nicht mehr "nur irgendwas" entwickeln können, sondern wirklich gute Spiele auf den Markt bringen müssen.

Das erste Nokia N-Gage war zwar nicht besonders erfolgreich – doch es zeigte ganz eindeutig, wie Handy und Spielkonsole verschmelzen, immer mehr zu Einem werden. Das Handy wird schon lange nicht mehr nur zum Telefonieren verwendet, sondern auch ganz selbstverständlich als MP3-Player und Spielkonsole. Bei der aktuellen N-Gage Generation sind die Spiele nicht mehr nur euf einem einzigen Handymodell, sondern auf einer ganzen Reihe von Handys lauffähig, was einen großen bis gewaltigen Erfolg verspricht, wenn man sich die Spiele ansieht.
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Die Grafik: Laufend besser Begonnen hat alles auf kleinen Monochrom-LCD’s – Pixel an, Pixel aus, und insgesamt wenige Pixel – die Grafischen Möglichkeiten waren stark eingeschränkt. Doch schneller als es die Meisten realisieren konnten, waren die Displays aller Handys farbig und groß – bestens geeignet für die optimale Darstellung von Multimedia-Content wie Fotos, Videos – oder Java-Games. Eine Erfindung, die die grafischen Möglichkeiten eines Java-Games am Handy gut demonstriert, war mit Sicherheit die Abyss Engine, die der Hamburger Mobile-Game Hersteller Fishlabs seit 2004 für alle seine Spiele verwendet. "Powerboat Challenge", "Planet Riders" oder "Galaxy on Fire" sind nur ein paar davon, die sich durch nette 3D-Optik auszeichnen. Nach 2004 entwickelten auch andere Hersteller 3D-Engines für mobile Javagames, auch einige Open Source Engines sind mitterweile in Umlauf. Doch es kommt nicht immer auf eine super-realistische Grafik an: Gerade Puzzlespiele (oft besonders gut für kleinere Handydisplays geeignet) konnten sich in buntem 2D-Arcade-Look weit besser durchsetzen als welche mit eingekrampfter 3D-Engine. Ein Positivbeispiel wäre hier z.B. "Block Breaker Deluxe (2)" – in buntem 2D. Was 3D angeht, bringen eine Reihe neuer Spiele unter dem Begriff "HD-Games" top-Grafikleistung auf Symbian-fähige Mobiltelefone. "Asphalt 3: Street Rules HD" beispielsweise, oder "Real Football 2008: European Tournament" werden in die Geschichte der Handyspiele als Quantensprung in puncto Performance eingehen. Der Sound: Piepsen war gestern Das Spielgefühl: Immer authentischer |
Die Entwicklung aus wirtschaftlicher Sicht
Nach dem Erfolg von "Snake" entdeckten einige Köpfe aus der Gaming-Industrie das Potential dieser Idee: 2001 wird in den vereinigten Staaten (genauer: Kalifornien) eine der ersten Handyspielefirmen gegründet: glu mobile. Mit hochkarätigen Partnern wie Atari, Activision, Konami, Hasbro, Warner Bros., Microsoft, PopCap Games, SEGA oder Sony konnte sich das Unternehmen in dem jungen Markt schnell etablieren. Doch schon 1999 – zwei Jahre zuvor – gründete Michel Guillemot die Spielefirma, die sich letztendlich durchsetzen sollte: Gameloft, schon seit 2003 schrieb das börsennotierte Unternehmen schwarze Zahlen. Der Erfolg lockte weitere Softwareentwickler auf den Markt, 2004 wird Fishlabs gegründet, 2006 kauft Electronic Arts den Mobile Gaming Hersteller JAMDAT – und EA Mobile war aus dem Hut gezaubert. Grundlage für das plötzliche, große Interesse an Handygames war die Ausstattung aller neuen Handys mit dem Java-Standard MIDP 2.0, wodurch die Bahn für die Entwicklung hochqualitativer Spiele für Mobilgeräte geebnet war. Am besten drücken die Entwicklung vielleicht die wirtschaftlichen zahlen von Gameloft aus: Ein Umsatzplus von 40% und die Verdoppelung der Mitarbeiterzahl im Vergleich zum Vorjahr 2006 spricht Bände – Der Markt wuchs rasanter als je zuvor. 2007 war Gameloft dann offiziell Weltmarktführer und ist es bis heute. Für 2008 wird ein Wachstum von weiteren 30% prognostiziert. Nähere Hintergründe zu den einzelnen Herstellern gibt’s in einem nächsten Feature.
Ein kurzer Ausblick
Mit der Zukunft der Handygames soll sich ein eigener Artikel unserer Special Reihe beschäftigen, doch spinnt man die Entwicklungen von 1998 bis heute weiter, steht der nächsten Generation von mobilen Spielkonsolen (z.B. PSP 2) in naher Zukunft ein harter Konkurrenzkampf mit der "Spielkonsole Handy" ins Haus. Handyspiele sind erwachsen geworden – für manche eine nette Beschäftigung für zwischendurch, für manche bereits mehr – doch in jeden Fall ein gewisser Lifestyle-Faktor. "Das richtige Game zur richtigen Zeit ist genau das Richtige!", soll ein begeisterter Genreanhänger einmal gesagt haben. Wir hoffen, ihr seid auch bei unserem nächsten Mobile Special dabei – oaki wird euch einen Überblick über alle wichtigen Publisher geben, Reinschauen lohnt sich also!
Davis Schrapel
Lucky_C_Harper









Respekt Herr Lang,
habe schon befürchtet, dass es nur nen blabla artikel geben wird – aber finde die Einführung in die Geschichte sehr gelungen. Auch nett, dass du die alten Screenshots ausgegraben hast, da merkt erst so wirklich was sich da in wenigen Jahren getan hat. Hoffentlich gibts ne Fortsetzung, gruss
Tintifax
“Blabla”? Auf elhabib.at? Komm schon …
PS: Danke & Ja, es gibt reichlich Fortsetzungen
!!
Ja, die Weiterentwicklung ist schon faszinierend, wenn man sich die Screenshots so anschaut! Und ich erinnere mich noch, wie mich mein damaliger Freund zu Tode genervt hat, weil er ununterbrochen Snake gespielt hat… bis dann endlich das Display vollgespielt war und ich meinen Freund zurück hatte…;-)