Kleiner Mann was nun? Das USK “ab 18″ Dilemma
Vor dem offiziellen Verkauf kommt die Altersfreigabe eines jeden Games. Warum das oft nach hinten losgeht und ob das System überhaupt sinnvoll ist, erfahrt ihr hier.

Wenn bei den Kritikern der Unterhaltungssoftware Selbstkontrolle (USK) ein Spiel ins Haus flattert, was vor Gore und Guts nur so strotzt, dann landet es schnell im “ab 18″ Korb. Die Damen und Herren, die die Altersfreigabe von Computerspielen seit ihrer Gründung im Jahr 1994 bestimmen, haben bei vielen Gamern schlechte Karten.
Die USK setzt sich hauptsächlich aus Pädagogen, Journalisten und Sozialwissenschaftlern zusammen, die jedes im Handel erscheinende Game auf Gewaltdarstellungen, Sprache und Inhalt prüfen. Wozu das ganze Drama? Jeder Verkauf läuft über Handel, egal ob Einzelhandel oder Großkette. Dieser Verkauf ist nur dann legal und angemessen, wenn Medien ausgelegt werden, die nicht jugendgefährdend sind und sich im folgenden Freigaberahmen befinden: ohne Altersbeschränkung, ab 6 Jahren, ab 12 Jahren, ab 16 Jahren und Keine Jugendfreigabe ergo ab 18 Jahren.
Sobald ein Spiel fertig entwickelt, können die fertigen Produkte gegen eine Gebühr von der USK geprüft werden. Es werden allerdings nur Spiele auf Datenträgern wie CDs und DVDs überprüft, zum Download bereitgestellte Games müssen vom Jugendmedienschutz erfasst werden. Der wunderbare Trick am Verfahren ist wie folgt: sind physikalische Spiele nicht gekennzeichnet, dann werden sie automatisch als Games ohne Jugendfreigabe behandelt und können von der Prüfstelle eingezogen und indiziert werden.
Trotz der noblen Aufgabe gibt es in letzter Zeit immer häufiger Kritik am Verfahren der USK. Die rote Flagge leuchtet vor allem bei dem Wort “Gewaltverherrlichung” auf. Ein Beispiel dafür ist das der dritte Teil von Alien versus Predator. In Deutschland erhält das Game definitiv kein Release, weil es nach Angaben von Videogameszone mit Filmen und Produkten vergleichbar sei, die nur für ein erwachsenes Publikum gedacht seien und ansonsten jugendgefährdend wären.
Es scheint also nicht nur darum zu gehen, was genau dargestellt wird, sondern auch, welcher Ruf dem Spiel vorauseilt. Damit fällt der neutrale Gutachter natürlich in das Netz aus Vorurteilen und die Altersfreigabe wird zur Farce. Ebenso “wichtig” scheint die Intention des Spieles zu sein. Alien vs. Predator ist nicht wirklich so harmlos wie Solitaire, dient folglich nur dem fröhlichen Schlachten. Mit Heavy Rain liebäugelte die USK auch nicht zu sehr, verlieh dem Game mit zum Teil expliziten Inhalten über Sexualität und Gewalt einen “ab 16″ Pass.
Ist ein Thriller, bei dem Entscheidungen wie im echten Leben getroffen werden müssen, weniger brutal als Alien vs. Predator? Sind nicht in Wahrheit beide Spiele auf einem Level, zeigen Gewalt aber auf unterschiedliche Art und Weise? Für philosophische Fragen haben die Gutachter wenig Zeit, es geht um das, was klar ersichtlich ist und nicht die Botschaft dahinter (sofern vorhanden).
Die Jahresbilanz für 2009 sieht die USK durchaus positiv. Laut netzwelt hätte es mehr Prüfverfahren gegeben, dafür aber weniger Ego-Shooter. Zu Verdanken ist dies der Veröffentlichung vieler Musikspiele, so genannten Casual Games. Rund 3.100 Games wurden geprüft und klassifiziert, in 80% der Fällen sind die Altersklassen von null bis zwölf vergeben worden und in weniger als sieben Prozent der Fälle fand keine Jugendfreigabe statt. Der Gesamtanteil von Ego-Shootern betrug nur 4,2%.
Einige Spiele landen sowieso häufiger auf den Tischen der Gutachter. Wie PC Games schon berichtete, liefern sich Entwickler und Prüfer in Sachen Sturheit oft eine Monatsschlacht. Das Science-Fiction-Survival-Horror-Spiel Dead Space brauchte drei Anläufe, um ungekürzt veröffentlicht zu werden. Ohne diese Hartnäckigkeit werden die Spiele gekürzt und verlieren dadurch natürlich den intendierten Reiz. Die USK scheinen wie alle Prüfstellen kein Problem mit kategorischem Denken zu haben.
Was ist eigentlich ein Ego-Shooter? Was ist Gewalt im Spiel und wenn ich weiß, dass es nur ein Spiel ist, muss oder kann ich die Gewalt dann noch ernst nehmen? Es geht nicht immer nur um Gewalt, sondern auch um die Grenzen eines Spiels und wie weit eine Firma bereit ist, diese Grenzen auszutesten. Die AVP Galaxy führte ein Interview über den neuesten Alien vs. Predator Teil und hinterfragte, was ihn eigentlich von anderen Spielen unterscheidet. Der Multiplayer Designer Phil Gresley gibt darauf zum Besten, dass es vor allem um die ständige Ungewissheit und Angst ginge:
“What we’ve tried to do, even as the marine, is to bring everything together so the action is always in the immediate space, very up close, very intense. So you know the Alien is going to be lurking around the next corner, you know the Predator is gonna be sitting in the next tree you walk underneath. You’ve always got the tension and the fear as a marine that something unpleasant can happen to you at any moment.”
Die ständige Präsenz von Angst stößt bei der USK schnell auf Ablehnung. Rein objektiv betrachtet müsste man damit auch Scherzprogrammen wie Scary Maze oder den K-fee Werbungen einen Stempel aufdrücken. Hierbei handelt es sich jedoch nur um kurze Auftritte von Horror (“prank flash”), die Prüfstelle scheint ihr Auge auf dauerhafte Bedrohungen ausgelegt zu haben.
Die USK sind in ihrer Altersdominanz aber nicht allein, im weiteren europäischen Feld sind die Pan European Game Information (PEGI) für Einstufungen zuständig, während diese Rolle in den USA dem Entertainment Software Rating Board (ESRB) vorbehalten bleibt. Doch egal wie viel Atmosphäre von einem Spiel zerstört wird und egal wie subjektiv die Entscheidung des jeweiligen Gutachters ausfällt, es gibt immer noch die Möglichkeit sich Spiele als Uncut Version online zu bestellen…
Irrsinn oder Schlupfloch? Felix Falk, Geschäftsführer der USK, gibt für die zukünftige Bewertung von Online Games grünes Licht: “Gerade kleine Spiele, vermehrt aber auch größere Produktionen, werden nur noch online erscheinen.” Um seine Idee für weiteren Spielraum umsetzen zu dürfen, müsste aber erst der Jugendmedienschutz neu verfasst werden. Rechtliches und moralisches Dilemma ist vorprogrammiert, denn trotz aller Verkaufszahlen – einig werden sie sich nie.
Via Videogameszone, netzwelt, PC Games, AVP Galaxy, USK
Davis Schrapel
Lucky_C_Harper












You must be logged in to post a comment.