Vietnam im Kampf gegen Online Games
Der Staat Vietnam will passionierten Gamer ein Limit für Online Spiele vorschreiben. Anlass dafür sind die mehrere Gewalttaten und gewisse wirtschaftliche Spannungen…

Die Maßnahmen zum Schutz der Bürger sollen laut Le Doan Hop, Minister für Information und Kommunikation, in der Saigon Daily sofort umgesetzt werden. Nachdem Hop die verstärkten Meldungen über Probleme durch Online Gaming in seinem Land verfolgt habe, will er dem grenzenlosen Internet nun einen Dämpfer verpassen. Im Klartext bedeutet dies, dass neuen Lizenzen für Online Spiele nicht stattgegeben wird. Der Grund dafür ist das noch nicht gänzlich durchgedrückte Gesetz über eine staatliche Regelung beziehungsweise Handhabung von Online Games. Im April dieses Jahres hatte Vietnamnet.com darüber berichtet, dass das Ministerium für Information und Kommunikation die Zugangszeiten zu Online Spielereien eindämmen will. Geplant seien, dass örtliche Behörden die Öffnungszeiten für Internetcafés bestimmten und einschränken können. In einem Ort ohne derartige Bestimmungen, werden die Internetcafés konsequent nach 22 Uhr geschlossen.
Bei groß veranstalteten LAN-Partys oder Mehrspielermodi werde es den Spielern nicht gestattet mehr als drei Stunden in das gleiche Online Game zu investieren. Spiele die der Erziehung und Bildung dienen, werden jedoch begrüßt und dürften vier bis fünf Stunden pro Tag erkundet werden. Hingegen erhalten Games mit “wenig Spannung”, wie zum Beispiel Schach oder andere Brettspiele, kein Zeitlimit.

Es wurde zu Beginn des Jahres in Vietnam bereits angekündigt, dass Firmen an der Herstellung und Werbung für Online Games gehindert werden sollen, indem das Ministerium Lizenzregulationen drastisch verlangsame. Gleichzeitig werden aber Entwickler innerhalb Vietnams ermutigt eigene Spiele zu produzieren und den Import zu drosseln. Das Ministerium ruft seine Online Game Provider dazu auf, den Level der Gewalt in ihren Spielen anzugeben und Altersbegrenzungen zu vergeben wie sie in anderen Ländern bereits üblich sind (Einteilung in ‘unter 12′, ‘12-15′, ‘15-18′, ‘18+’).
Nun ist Hop der Wartezeit über diesen Gesetzvorschlag etwas entgegengekommen und hat die Werbung für Online Games bereits untersagt. Über die letzten Jahre hat die vietnamesische Presse mehrfach darüber berichtet, wie Spielsucht die Landsleute zu kriminellen Taten veranlasst. Ein 15 Jahre altes Mädchen wurde nach Angaben von The Guardian zu zehn Jahren Haft verurteilt, nach dem sie ein vierjähriges Nachbarskind erst ihrer Ohrringe beraubt und stranguliert hat. Angeblich brauchte sie die Ohrringe im Wert von 10 US-Dollar, um sich das Online Spiel zu finanzieren. Vor drei Jahren berichtete EarthTimes, dass ein 13 Jahre alter Junge eine 81-Jährige ebenfalls beraubt und anschließend ermordet haben soll. Der Junge gab die Tat unvermittelt zu und wollte damit sein Online Game finanzieren.

Warum Spieler aber nach einem gewissen Pensum und Game süchtig werden, ist nicht einheitlich geklärt. Einige Spielentwickler, vornehmlich für Browser Games, brüsten sich gerne damit, dass ihre Kreation süchtig macht. Tritt dieser Fall aber in der Realität ein, hört der Spaß sehr schnell auf. Forscher sind sich aber einig, dass die Videospielsucht ähnlich einer Impulskontrollstörung verläuft. Das Phänomen beschreibt einen Vorgang, bei dem unangenehme Anspannungsgefühle durch eine impulsiv ausgeübte Handlung aufgelöst werden. Diese Handlungen wiederholen sich aber ohne bestimmte Motivation, der Spieler in diesem Fall verliert die Kontrolle, weil er sein Verhalten nicht mehr bewusst wahrnimmt. Ein Suchtverhalten wird dann zugeschrieben, wenn eine Handlung in einer gewissen Regelmäßigkeit erfolgt und schließlich auch andere Aufgaben verdrängt. Wenn Verantwortung durch Online Spiele ersetzt wird, ist es eigentlich schon zu spät.
Es scheint, als ob die Spielsucht im asiatischen Raum weit verbreitet ist oder zumindest schwappen von dort immer Schreckensmeldungen herüber, von Menschen, die sich ‘totgespielt’ haben. Liegt aber dieser Umstand am Spiel, am Mitverschulden der Gesellschaft oder am übereifrigen Spieler selbst? Vermutlich ist es eine Mischung aus allem, denn wer kennt nicht den Drang, gerade diesen Level noch beenden zu wollen, um sein Ego etwas zu streicheln. Umso frustrierender und hartnäckiger werden die Versuche beim Scheitern. Spiele mit einem hohen kompetitiven Faktor, also hauptsächlich Online Games, erwecken zusätzlich den Eindruck, dass der Spieler sich nicht die Blöße geben darf. Er oder sie muss weitermachen, wenn er/sie im Umfeld nicht als Spielverderber oder Verlierer gelten will.

Die Grenze zwischen Realität und virtueller Ersatzrealität verschwimmt immer mehr, dass hat jetzt auch Vietnam erkannt. Sicherlich müssen hier noch weitere Gründe berücksichtigt werden wie etwa die Import/Export-Frage, was die mentale und körperliche Gesundheit der Spieler wieder in den Schatten stellt. Ist die Entscheidung aus der sozialistischen Volksrepublik also Bevormundung oder Eingreifen im letzten Moment? Als kurzfristige Lösung soll das Zeitlimit helfen, die Jugend vom Computer wegzulocken (wobei die Limitierung auf ein einziges Game sicherlich einfach umgangen werden kann und wird). Als Langzeitlösung sind in Vietnam Ausweise geplant, mit denen die Internetnutzung reguliert werden soll.
Via saigon-gpdaily.com.vn, english.vietnamnet.vn, guardian.co.uk, earthtimes.org, theaustralian.com.au
Hongii
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